Kraftvoll und besonnen kam Jordi Rafael im Geburtshaus Stuttgart zu uns. 

Kraftvoll und besonnen kam Jordi Rafael im Geburtshaus Stuttgart zu uns. 

25.10.19, 7.23 Uhr, 49 cm, 3200 Gramm 

Es war wie seit längerem – abends gegen halb neun gingen Übungswellen in richtige Wellen über. Wir waren mit unserem großen Sohn (2,5 Jahre) baden und gingen danach zusammen ins Bett. Wir haben noch gelesen und ich habe Mika erklärt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis er sein Geschwisterchen kennenlernt. Er sagte dann zu mir: „Mama um sieben.“ Die Wellen wurden immer  intensiver und ich stand auf, um beim laufen, mit dem Geburtsball und in unserem Lesesessel Geburts-Affirmationen zu hören. Die Wellen waren intensiver als ich es von Mika kannte. Dennoch war ich mir um 2 Uhr immernoch nicht ganz sicher, ob es nun wirklich soweit sein sollte. Vor allem meine starke Erkältung ließ mich zweifeln. Aber beim Telefonat mit der Hebamme gegen 3 Uhr war klar, wir sollen langsam los. Nachdem meine Mutter gekommen war, um für Mika da zu sein, sind wir Richtung Stuttgart gestartet und waren dann um 3.45 Uhr im Geburtshaus. 

Die Hebamme hat schon auf uns gewartet. Kerzen brannten bereits, das Licht war gedimmt und ich fühlte mich von Beginn an wohl. Ich hatte mir vorgenommen, viel in Bewegung zu bleiben, da Mika am Ende schwierig „um die Kurve“ gekommen war. So veratmetet ich die Wellen, Michael machte leichte Berührungmassage und wir unterhielten uns in den Pausen. Unsere Hebamme hielt sich im Hintergrund und hat nur mal gefragt, ob sie die Herztöne kontrollieren dürfe, wir was trinken wollen und ich Bescheid geben soll wenn sie Wasser in die Wanne lassen soll. Der kleine Mann sei ganz entspannt, war Ihre Rückmeldung auf die Messung. In der Wanne war ich auch dieses Mal nur kurz. Und das, obwohl ich sonst sehr gern und oft bade.

Unsere Hebamme bat dann noch, dass ich ihr Bescheid gebe, wenn es Richtung Geburt geht, da sie die zweite Hebamme rechtzeitig anrufen wollte. Das war dann allerdings nicht zu überhören. Die Geburtswellen waren sehr kräftig. Nach einer kurzen Phase mit erkältungsbedingtem Husten und Schmerzen in der Hüfte hab ich den kleinen Schatz am Ende aber doch noch sehr friedlich rausschieben können. Das war ein tolles Gefühl, wieder zurück zu einer ruhigeren Geburt zu finden und mich ganz auf unser Baby zu konzentrieren. Zuvor hatte ich versucht, der immensen Kraft durch verschiedenes Tönen zu begegnen. Doch die Gedanken und die Kraft voll zu unserem Kleinen zu lenken, war der richtige Weg. Michael hielt mich die ganze Zeit. Das Geburtshaus war wirklich toll. Jordi Rafael kam um 7.23 Uhr in der Hocke zur Welt und ich habe ihn gleich auf den Arm genommen, ehe wir aufs Bett umgezogen sind. Wir haben die ersten beiden Stunden dann zu dritt im Bett genossen, dann stand die U1 an und wir bereiteten uns für den Heimweg vor. Um 11 Uhr waren wir mit unserem kleinen Engel zuhause und um 17 Uhr kam der stolze Bruder der es kaum erwarten konnte 😊

Dieser Texte unterliegt dem Urherberrecht. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung – auch auszugsweise – bedarf der vorherigen Zustimmung des Urhebers.


Geburt von Ella Fabienne in ihrer Fruchtblase

Nur durch einen glücklichen Zufall konnte ich zuhause gebären und meine Geburt vom Geburtshaus begleiten lassen. Ich war und bin immer noch überglücklich, dass es geklappt hat.

Alle wichtigen Gespräche wurden geführt; Zuhause war alles vorbereitet (alle Utensilien zusammengesammelt, der Geburtspool stand aufgepumpt im Wohnzimmer und Sophie nutzte ihn als Bällebad) und die Schwangerschaft war weit fortgeschritten. Mein Bauch hatte kosmische Maße angenommen. Ich bewegte mich dynamisch wie eine Kugel auf zwei kurzen Beinen.

In den Vorsorgegesprächen meinte Martina zu mir es könne gut sein, dass ich Wehen bekomme und die auch wieder aufhören, dass sei bei zweiten Geburten öfters der Fall, dass die Frau ‚Fehlalarm‘ auslöste; ich könne jedoch jederzeit anrufen. Das gab mir ein gutes Gefühl. Am Sonntag kam Sophie (meine Erstgeborene) (von mir heiß ersehnt) von ihrem Papa wieder zurück. Ich freute mich sehr. Ich konnte mir eine Geburt ohne sie kaum vorstellen, auch wenn sie nicht direkt dabei sein sollte, so wollte ich sie doch gerne in der Zeit danach direkt bei mir haben. Sie wurde ja nun schließlich große Schwester. In der Nacht von Sonntag sollte es nun losgehen. Dachte ich zumindest. In der Nacht hatte ich Wehen; stand dann auf und ging lange und ausgiebig duschen um zu sehen was passiert. Mein Schatz räumte noch geschwind die Küche auf, wir hatten versucht ihr noch vor der Geburt einen neuen Anstrich zu verpassen. Damit waren wir wohl nun gescheitert. Meine Wehen waren sehr unregelmäßig und vielleicht durch mein neugieriges beobachten und Auf-die-Uhr-sehen, verschwanden die schüchternen Wehen. Nachts hatte ich noch mit Martina telefoniert. Doch als nichts passierte und die Wehen wieder vergingen, brauchte ich mich auch nicht mehr bei ihr melden. Sie gab mir noch Bescheid, dass Eva tagsüber für mich zuständig wäre. „Ich will nur nicht mehr schwanger sein und dass es bald losgeht“, dachte ich mir. Frustriert von meinem Körper, dass er mich hier verschaukelte und mir falsche Signale und Vorfreude vorgaukelte beschloss ich nun kein Tamtam mehr zu machen und abzuwarten bis es wirklich und tatsächlich losginge. Ich wollte nicht mehr interpretieren und warten.

So war es ganz gut, dass wir am Montag um 9 Uhr einen den U8a Termin für Sophie hatten. Die Arzthelferinnen waren ganz schockiert als wir vom Geburtsort sprachen. Ich war entspannt und ließ mich nicht anstecken. In einer Klinik macht die gebärende Frau ja nichts anderes und Sophie kam ja auch schon zuhause zur Welt. Also wusste ich ja diesmal auf was ich mich da einlasse, bzw. eingelassen habe 😉.

Im Wartezimmer spielte ich mit Sophie noch auf dem Boden und nach dem Termin ginge es auf ins Geburtshaus zur Vorsorge bei Martina. Sie hatte wohl nicht so recht daran geglaubt, dass ich kommen würde. Aber da die Geburt ja nun doch nicht losgehen wollte, hatte ich ja nun auch nichts Besseres vor. Dem kleinen Bauchbewohner ging es gut. Wir wussten noch nicht was es werden sollte und es sollte eine lustige Überraschung werden…

Abends um 17:30 Uhr hatte ich wieder Wehen. Sie waren aushaltbar. Nur Sophie ging mir allmählich auf den Nerv. Sie quengelte und wollte ständig was von mir. Wir sprachen uns kurz ab und beschlossen, wenn es nun wirklich bald losginge, wäre es schön jetzt noch einmal zu dritt Abend zu essen. Danach musste sie weg, das war glasklar für mich. Sie ließ mich einfach nicht in Ruhe. Es war furchtbar. Also brachte mein Mann Kay sie gegen 18 Uhr rüber zu seinem Bruder, Sebastian. Dort hatte Sophie schon oft auch ohne mich gespielt. Kay’s mum war auch da und freute sich. Also spielten sie erstmal.

So nun hatte ich endlich Zeit für mich und konnte auch ordentlich atmen und mich in Ruhe bewegen. Doch wohin mit mir? Kay wollte den Pool befüllen. Er hatte extra einen langen Schlauch gekauft. Doch weil er Angst hatte, dass sich das Ende am Wasserhahn löste und er es bewachen wollte, sollte ich das andere Ende in den Pool halten. Keine gute Idee. Ich machte vielleicht 5 Minuten mit. Bei der nächsten Wehe war ich raus. Da half auch kein „Du musst es doch nur festhalten“ und „He, der Boden soll nicht nass werden“. Mir alles egal. Das hat er auch gleich eingesehen, weil ich einfach ging. „Dann kleb es halt fest“.

So und weg war ich. Doch wohin mit mir?

Ich wanderte durch das Schlafzimmer und durch’s Kinderzimmer. Versuchte Wehen im Stehen; dann im Knien vor dem Kinderbett. Kay’s Plan mit dem Schlauch funktionierte nicht lange. Das Warmwasser war alle. Der Boiler war leer, weil ich nachts genüsslich leicht wehend unter der Dusche verbrachte. Hach wie gut, wenn der Bruder nebenan wohnt. Jetzt musste er nur noch Wassereimer von Sebastians Wohnung in unsere schleppen. Da soll mal jemand sagen ‚zuhause gebären in stiller Atmosphäre‘. Unsere Wohnungstür stand offen und Kay schleppte Wassereimer um Wassereimer. Naja da hatte er auch seinen Einsatz, denke ich mir heute. Aber in der Situation war ich genervt. Es war unruhig und ich hatte niemanden, der sich um mich kümmert oder mir Beistand leistet oder einfach nur in meiner Umgebung war. Ich machte die Tür zu und ärgerte mich etwas. Ab und zu kam er und schaute nach mir, aber zweiteilen ging nun auch nicht.

Was könnte mir helfen? Da war der Griff zum Handy schnell getan: Eva anrufen. Es war vor 19 Uhr. Sie fragte mich ein paar Sachen ab und fragte ob sie kommen solle. Das war jetzt eine große Frage. Wenn sie jetzt käme, müsste sie auch bleiben, für um sonst wollte ich sie auch nicht dahaben. Und so richtig stark fühlte es sich auch nicht an. Ich war verhältnismäßig ruhig und stöhnte nur etwas vor mich hin. Wir verblieben so, dass ich mich melden würde.

Das dauerte nicht lange. 10 Minuten später rief ich wieder bei ihr. Sie hatte immerhin ca. 20 Minuten Wegzeit und aus der Erfahrung der ersten Geburt wollte ich gerne etwas mehr Zeit mit ihr verbringen. Bei Sophies Geburt war die Hebamme gerade 35 Minuten da, bis Sophie kam. Das war schon alles ganz schön stressig. Eva kam ca. 19:20 Uhr. Hach war ich erleichtert. Sie setzte sich zu mir ins Kinderzimmer und wir machten ein bisschen Smalltalk. Das war richtig schön. Endlich jemand, der mir beistand. Ich ging ab und an umher auch zur Toilette und wehte immer stärker vor mich hin. Irgendwie fühlte ich mich aber schon etwas allein. Ich ärgerte mich, dass ich allein diese Schmerzen hatte und sie mir keiner wirklich nehmen konnte. Ich wusste, dass ich da jetzt alleine durchgehen und das alleine durchstehen müsste. Das ärgerte mich schon etwas. Kay war immer noch mit seinen Eimern beschäftigt.

Irgendwann war der Pool befüllt und ich konnte einsteigen. Aber wollte ich das? Eva meinte, dass wäre doch nun echt nicht schön, wenn ich es nicht versuchen würde. Kay hatte so viel Arbeit damit. Nun ja, aber ich hatte mit meinem Kreislauf bedenken. Ich hatte immer niedrige Blutdruckwerte und das Wasser war ekelig warm. Nun gut, ich wollte es wenigstens probieren. Er war nun ca. 20 Uhr. Also Bikini an und hinein in die Fluten. Wer weiß, vielleicht kommt das Kind ja doch noch nicht heute.😉

Hu, das Wasser hatte auch noch mal einen guten Effekt auf die Wehen. Ich versuchte mich am Rand knienend abzustützen. Irgendwann sank ich immer tiefer, so dass ich fast auch dem Bauch am Boden lag. Während der Wehen strecken ich den Bauch immer raus. Das war ein herrliches Gefühl. So als wollte ich ein letztes Mal ganz stolz meine Riesenmurmel präsentieren. Ab und an hatte ich Bodenkontakt, das fühlte sich weniger gut an. Eva, sagte ich könnte doch auch aufrecht knien. Das war noch fieser. Das sagte ich ihr auch: „Du bist gemein, du wusstest das doch?!“ Ich verbrachte die nächsten Wehen aufrecht, beugte mich irgendwann nach hinten. Ich hatte Bedenken, dass das Kind doch so nicht rauskommen kann und keinen Platz hat, wenn der Boden direkt unter mir ist. Von Wehe zu Wehe lehnte ich mich immer weiter nach hinten bis ich wieder vollständig im Wasser lag. Ich kam mir vor wie ein nasser Aal, der sich im Wasser windet und mit seinen Schmerzen ringte. Auf an raten von Eva brachte Kay nochmal heißes Wasser. Klar, ich schwitzte wohl noch nicht genug. Er ergoss den 20 Liter Eimer in die Nähe von meinem Becken und ich fauchte ihn an: „Gieß es doch wo anders hin. Nicht auf mein Becken, das hat schon genug Reize.“

Sonst sind wir liebevoller miteinander. Aber ich hatte mir für diese Geburt vorgenommen, zusagen was mir gefällt und was nicht. Kay schluckte seine Antwort/Reaktion stresstolerant runter. Später lachten wir darüber, er hätte ja auch den Eimer wegwerfen können und sagen: „Dann hol dir doch dein Wasser selber, du dicker Kugelfisch“.

Kay saß mal rechts von mir am Boden, dann mal auf der Couch. Nach abwertenden Blicken von mir saß er direkt 😉 neben mir am Boden, mal links von mir, mal rechts von mir. Die Atmosphäre war gut. Es war entspannt. In den Wehen hörte man nur mich und in den Pausen redeten wir. Kay drückte sich von außen gegen den Pool, weil ich von innen drückte. Das habe ich aber erst später erfahren. Bemerkt habe ich davon nichts. Ich dachte er lehnt nur so hinter mir am Pool. 😉 Was Sophie wohl macht? Für Kay war das wohl nicht das aktuelle Thema. „Jetzt kümmere dich um dich, Schatz.“ Und dann küsste er mich. Eva wollte nun ihre Kollegin hinzurufen, wenn ich nichts dagegen hätte. Das war mir nun sowas von egal. Ich sagte, „wenn Du sie brauchst“.

Irgendwann meinte Eva, ob ich denn mal mitdrücken wollte. Ich fragte: „Jetzt schon? Soll es denn jetzt schon kommen?“ Eva meinte: Warum nicht? Wie spät es ist, fragte ich. Es war 20:30 oder kurz von 20:30Uhr. Na gut, wenn sie meint. Kann einer bitte noch die Tür zu machen? Ich wollte ja nicht, dass Sophie bzw. die halbe Familie nebenan alles mithören. Dann versuche ich es mal.

Ich würde sagen ich habe vorsichtig gedrückt. Eva meinte „langsam, langsam. Nicht so schnell“. Da war sie. Diese Naturgewalt. Ich habe gedrückt um mein Leben. Aber ich hätte noch mehr drücken können… Also ließ ich wieder nach. Eva visualisierte mir, wieder das Kind wieder ins Becken rutscht. Das war richtig gut, da bekam ich auch wieder ein Gefühl dafür. Ich spürte förmlich wie der Kopf wieder in das Becken glitt.

Viele dieser lauten schrillen und hormonellen Achterbahn-Wehen hatte ich nicht mehr. In der nächsten Pause wollte ich etwas trinken. Ich schwitzte wie ein Rettich und fühlte mich wie ein gares Hühnchen in einer Suppenschüssel. Viel zu warm für mein Gefühl. Noch eine Wehe, dann kam der Kopf. Es fühlte sich ganz anders an als bei der ersten Geburt. Ich spürte wie der Kopf sich aus meinem Becken Platz machte und sich befreite. Das Durchschneiden des Kopfes fühlte sich diesmal nicht wie Brennnesseln an. Auch hatte ich nicht das Gefühl: Ich würde gleich sterben und die Augen zumachen. Es fühlte sich an als wäre der Kopf in einem wassergefüllten Luftballon. Ich spürte dass Körper und Kopf wie in einer schwabbeligen Hülle waren. Ich sah zu Kay und sah, dass er sich eine Träne wegwischte. Da konnte ich kaum hinsehen. Er tat mir irgendwie leid. Denn mir ging es ja gut, besser noch… eigentlich phantastisch. Auch wenn sich das nicht so anhörte. Ich blickte aus dem Fenster den Berg hinauf und dachte „Was für ein Privileg unter der Geburt eine so schöne Aussicht zu haben“.

Ich weiß noch, die beiden (Eva und Kay) haben in der nächsten Wehenpause von Wehen geredet. Das mochte ich gar nicht. Ich sagte „Können wir nicht von etwas Anderem reden und nicht von Wehen“.

Dann hatte ich nur noch eine dieser krassen ultimativen Wehen und dann war es da. Eva öffnete die Fruchtblase noch unter Wasser, strich sie weg und legte mir unser Kind direkt auf die Brust, bzw. Bauch. Meine ersten Worte waren ‚Krass. Wo kommst du denn her? Aus meinem Bauch. Und es tat überhaupt nicht weh“. Was Hormone bewirken können…

Wir waren beide überglücklich. Und sind es immer noch. Das kleine Bündel war total glitschig. Auf dem Rücken hatte es noch eine gute Portion Käseschmiere, weil die Fruchtblase es ja gut schützt hatte beim durchgleiten. Die Haut war noch leicht zyanotisch und es meckerte ordentlich. Wie schön!

Eva erzählte irgendwas von er. Also ging ich davon aus, dass es ein Junge war. Ich drehte mich zu meinem Mann und sagte: Du bist jetzt Vater von einem Sohn! Du hast jetzt einen Sohn!

Später nachdem auch die Plazenta endlich nach vielen fiesen und unnötigen Wehen geboren war; was ca eine ¾ Stunde dauerte und ich in unserem Bett lag, kam Eva zu mir und meinte: „Sag mal, hast du jetzt schon mal geschaut was es ist“? Ich war natürlich erstaunt und meinte: Ich dachte du hättest es gesehen? „Nein, ich habe nichts gesehen“, sagte Eva. Ala hopp, also lupfte ich ein Bein an und was schaute mich da an? Ein Mädchen! Wie hab ich mich gefreut und was haben wir gelacht!

Sophie, die zwischenzeitlich schon ein paarmal da war und geschaut hat, hüpfte nun herum und rief „Ich habe eine kleine Schwester und die heißt Ole Felix.“

Da wir vorher ja nicht wussten was es wird, hatten wir natürlich für beide Geschlechter einen Namen parat. Jetzt mussten wir nur noch Sophie erklären, dass ein Mädchen auch einen Mädchennamen bekommt und Ole Felix ein Name für einen Jungen ist.

Wir lachen heute noch darüber.

Sebastian, der unserer Hausgeburt gegenüber sehr kritisch und skeptisch war, war von der Atmosphäre und dem ganzen Ereignis gleich ganz gefangen. Er kam mit der frisch gebackenen Oma gleich ein paarmal rüber zum Schauen und sagte zu Eva, „Ich könnte gleich heulen“.

Der Sprit, der in der Luft lag war ein ganz besonderer. Da kann man nur sagen ‚Allen Anfang wohnt ein Zauber inne‘.

Ich möchte mich auf diesem Weg nochmal bei allen Hebammen und ganz besonders bei Eva bedanken. Dass ihr mir bzw. uns diese Hausgeburt ermöglicht habt, bedeutet mir wahnsinnig viel. Ich wüsste nicht was ich sonst getan hätte. Eine Klinik hätte ich freiwillig nicht betreten wollen, da ich hier Angst vor Fremdeingriffen hatte und in das fremde Personal kein Vertrauen fassen könnte. Ich erlebte in den Kliniken häufig eine Kultur in der es als selbstverständlich gesehen wird, dass eine gebärende Frau Entbehrungen zu erbringen hat, sei es ob durch einen Dammschnitt, das Kristellern oder die Anwendung von Saugglocken.

Ich bin Dir Eva für deine liebevolle Begleitung während unserer Geburt sehr dankbar. Ich habe mich stets sicher gefühlt. Ich wusste, wenn etwas nicht stimmen würde, dann würdest Du es mir sagen und du würdest professionell intervenieren. Dass Du so vertrauensvoll in meinen Körper warst, finde ich immer noch beachtlich. Da merkt man welches Stellenwert Intuition in eurer Arbeit hat. Du hast einfach meinen Körper (und mich) machen lassen, ohne zu tasten, zu kontrollieren oder zu intervenieren. Das gab mir viel Sicherheit. Das ist eigentlich paradox, denn gerade in Kliniken meint man ja durch viel Kontrolle, Wehenschreiben etc. hätte man ein Mehr an Sicherheit. Mich würde das sehr verunsichern. Zuhause kam nie die Frage auf, was ist, wenn etwas nicht stimmt. Es war klar, dass sollte etwas sein, mit dem man zuhause nicht mehr umgehen kann, dann sind wir in Stuttgart durch die vielen Kliniken beinahe überversorgt. Ich wüsste nicht was ich ohne eine Hebamme zuhause getan hätte. Ganz bestimmt hätte ich mich nicht so sicher gefühlt. Du gabst mir immer das Gefühl, dass nichts passiert – außer das ein Kind geboren wird 😉. Dass das, was gerade ist auch sein darf.

Ich habe heute ein noch besseres Gefühl für meinen Körper als vor Ella. Mein Wochenbett war auch ganz anders und das Gefühl für den Beckenboden ist auch gestärkt. Irgendwie bin ich durch Ella sehr gewachsen. Ich spüre eine andere Kraft in mir, eine andere Geradlinigkeit, die ich so nach meiner ersten Geburt nicht hatte.

Zum Schluss möchte ich noch den Internationalen Hebammentag am 5. Mai erwähnen. Beim nächsten Protest habt ihr unsere Unterstützung.

Dieser Texte unterliegt dem Urherberrecht. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung – auch auszugsweise – bedarf der vorherigen Zustimmung des Urhebers.


SSW 39  + 4

SSW 39  + 4. Da meine Wunschhebamme am nächsten Tag in Urlaub fahren wollte, wünschte ich mir sehnlichst dass die Geburt davor noch los geht.

Nachdem ich bereits am Tag zuvor Zimt-Nelken-Ingwertee getrunken hatte und wir die Natürliches-Prostaglandin-Methode angewendet haben um das Baby damit eventuell zu überzeugen doch langsam mal auszuziehen, sollte es am 02.03. dann tatsächlich soweit sein.

Ich erwachte früh morgens (kurz nach 6) mit leichten, unregelmäßigen Wehen. Da sofort die beiden Jüngsten im Bett rumturnten und keine Anstalten machten nochmal zu schlafen, bin ich mit ihnen leise runter ins EG. Ich wollte meinem Mann noch eine Mütze Schlaf gönnen, im Nachhinein hätte ich ihn wohl eher wecken und mich nochmal ausruhen sollen…

Den Kindern sagte ich erstmal noch nichts, erst beim Frühstück verkündete ich dass es heute vielleicht soweit sei und das Baby kommt. Unser zweitältester wurde dann mein Wehenschreiber, er notierte immer die Uhrzeit wenn ich eine Wehe hatte. Die kamen so 3 bis 5mal die Stunde und waren zwar noch schwach, aber schon was anderes als die Übungswehen die ich in den Tagen zuvor regelmäßig hatte. Mit wechselnden Abständen kamen die Wehen, mal mehr und mal weniger intensiv. Ich musste mich schon auf sie konzentrieren, aber in den Pausen konnte ich mich noch gut unterhalten und aktiv sein. Morgens rief ich dann voller Freude meine Hebamme an, um sie vorzuwarnen. Ich tigerte durchs Haus, ständig in Erwartung der nächsten Wehe. Eigentlich wollte ich noch einen Geburtstagskuchen fürs Baby backen, was ich dann aber sein lies da die Jungs ohnehin schon aufgedreht waren und Zucker das in der Regel nicht besser macht… Irgendwie konnte ich mich diesmal nicht so recht entscheiden ob ich mich nun noch möglichst lange ablenke wie bei A.s Geburt 3 Jahre zuvor, oder ob ich ich zurückziehen und auf die Geburt einstimmen soll.

Ich habe dann versucht einen Kompromiss zu finden und mich in der Nähe der anderen aufgehalten aber nicht aktiv was mit ihnen gemacht. Nach dem Mittagessen sind wir noch eine Runde Gassi,unterwegs haben mich die Wehen ein paarmal zum Anhalten gezwungen. Als wir zurück waren haben die Kinder ihre Überraschungstüte bekommen. Ich bin dann in die Wanne, wo ich es aber nicht lang ausgehalten habe. Die Pausen zwischen den Wehen waren mir darin einfach zu lang, und ich wollte doch auf keinen Fall dass sie wieder aufhören.

Also wieder raus und nun schon etwas müde (mittlerweile war es Nachmittag) im OG alles geburtstauglich gemacht. Kerzen an, Heizungen aufgedreht, Jalousien runter. Inzwischen musste ich die Wehen zwar schon vertönen, aber sie waren noch gut zu handeln. Mein Mann hat den Kindern eine DVD angemacht und kam immer wieder mal hoch zu mir. Um 17.15 Uhr  bat ich ihn die Hebamme anzurufen und auszurichten dass sie langsam kommen könnte. Gegen Uhr kam C.an, begrüßte mich und hörte kurz die Herztöne ab. Dann zog sie sich zurück. Ich lief weiter durch die Wohnung da ich den Eindruck hatte dass dies die Wehen besser in Gang hielt. Diesmal spürte ich sie vor allem im Rücken und auf der Blase, ich  musste ständig pinkeln. Irgendwie war ich mir nicht sicher ob das noch was werden würde wenn ich ruhte liesen die Wehen nach. Aber sowie ich die Position wechselte wurden sie wieder angekurbelt Immer nach dem Aufstehen kam eine. Ich meinte auch zu meiner Hebamme dass es vielleicht doch nochmal einschläft. Danach kam eine kräftige Welle und ich sagte nur „Ne, heute wird noch gekuschelt“ Ich muss wohl ziemlich gestrahlt haben zwischen/bei den Wehen, was C.zu der Frage veranlasste „Freust Du Dich?“. Ich bejahte das und sie meinte das sei gut. Sie hat sich glaube ich voll mitgefreut…

Weil ich lieber allein sein wollte schickte ich C.ins Erdgeschoß.

Mein Mann versorgte die Jungs mit Abendessen und machte sie bettfertig, sie durften ausnahmsweise vor dem Fernseher einschlafen wo der Größte sich um die kleineren kümmerte. Ich war dann froh meinen Mann wieder oben zu haben, zwischen den Wehen unterhielten wir uns. Der ganze Zwist den wir in der Schwangerschaft hatten war in dem Moment völlig belanglos. Die Wehen waren nun schon so stark dass ich sie veratmen und z.T.schon Tönen musste, aber noch nicht schlimm. Irgendwann hab ich versucht zu tasten wie weit ich schon bin,eigentlich hatte ich nach der langen Zeit die ich schon Wehen hatte mit 7 bis 8cm gerechnet, aber ich wurde nicht so recht schlau daraus was ich da fühlte.Also bat ich C.nachzuschauen. Leider waren es nur 4 bis 5 cm!

Das war nicht das was ich hören wollte! Wir berieten uns und schickten C.nochmal nach Hause, da wir alle dachten dass es sich noch etwas ziehen könnte.Also fuhr sie nochmal los,das war um19.30Uhr. Tja, und kaum war sie weg ging es los. So richtig. Eine Wehe nach der anderen, die immer heftiger wurden. Ich hatte überhaupt keine Pausen mehr dazwischen, zumindest kam es mir so vor.(Vermutlich waren die Pausen einfach zu kurz…)Ich war nur noch am Tönen,wurde ziemlich laut und kam an den Punkt wo ich schlicht nicht mehr wollte. Ich fühlte mich müde, wusste aber genau dass ich nicht zum Ausruhen kommen würde bevor das  Baby da ist. Da bat ich meinen Mann sogar ins KH zu gehen, weil ich in dem Moment die Vorstellung, Schmerzmittel zu bekommen, einfach nur reizvoll fand.Zum Glück hat er nicht darauf gehört! Um ca.20.30 Uhr  riefen wir C.an dass sie schnell wieder kommen soll. Sie war um 20.55 Uhr wieder hier.

Ich hatte endlich in den Geburtsmodus gefunden, überließ alles meinem Körper und  dem Baby und beschränkte meinen aktiven Part aufs laute Tönen. (Und zwischendurch aufs Jammern…) Der Druck wurde immer krasser, analog dazu steigerten sich die Laute, die ich von mir gab. Ich glaube diesmal war ich echt laut!Wie beim letzten Mal kniete ich vor dem Bett und stützte meinen Oberkörper darauf. Um 21.06 Uhr platzte endlich die Fruchtblase. Dieses erleichternde Gefühl war mir noch gut von meiner letzten Geburt in Erinnerung. Der Druck war schlagartig weniger, ich fühlte mein Baby noch recht hoch in mir und wartete auf die Presswehen. Die Zeit bis diese einsetzten kam mir ewig vor, ich sagte noch zu C.“Es kommt nicht runter“.

Dann konnte ich fühlen wie der Kopf sich den Weg nach unten suchte, ich schaffte es noch aufs Bett, wo mein Mann mich von vorn stützte und ich mich im Kniestand den Presswehen überließ.
Ich konnte gut fühlen wie sich das Baby weiter runter bewegte, habe wieder instinktiv den Kopf in Empfang genommen und beim Austreten geleitet. Sie hatte, wie auch schon manche ihrer Brüder, die Hand am Kopf.
Beim Durchtreten brannte es kurz, aber ich wusste ja genau dass das gleich rum ist wenn das Köpfchen da ist. Als der Kopf draussen war streichelte ich ihn und  mit der nächsten Presswehe wurde der Körper geboren. Das Kleine fing gleich an zu schreien, mein Mann und ich weinten vor Freude und ich nahm mein Kind hoch um es zu begrüßen. Dieses unglaubliche Gefühl, so ein kleines, nasses, duftendes Menschlein im Arm zu halten, es war so unglaublich wunderbar! Wir bestaunten und begrüßten unser Kind, und nach einigen Minuten bat ich meinen Mann die Brüder zu holen damit auch sie ihr Geschwister in Empfang nehmen konnten.

Zusammen mit ihnen schauten wir nach was wir da bekommen hatten – ein Mädchen! Nach 5 Jungs habe ich mir das zwar insgeheim sehr gewünscht, aber schon fast nicht mehr damit gerechnet.
Die Kleine begann bald zu suchen, noch über der Schüssel für die Plazenta hockend legte ich sie an.  Nun wollte ich auch die Plazenta loswerden. Diese kam mit ganz leichtem Zug an der Nabelschnur um 22.00 Uhr. Meine beiden ältesten Söhne durften sie abnabeln, die beiden Kleinen waren da schon eingeschlafen. Ich wurde noch von  C. auf Verletzungen untersucht, hatte aber keine.

Ich machte es mir mit meiner Tochter bequem und sie trank ausgiebig beide Seiten, Ich hatte schon richtig viel Milch, die linke Brust lief schon aus während sie noch rechts trank.
Danach bekam mein Mann sie zum Bonden auf die Brust und ich ging mit C.s Hilfe Duschen und auf die Toilette.
Dann kuschelte ich mich zu meinem Mann und unserer Kleinen ins Bett, legte sie nochmal an und bestaunte sie. Die erste Nacht war magisch…

Ich durfte meine Tochter aus eigener Kraft in meine eigenen Hände gebären, selbst hochnehmen und im Kreis meiner Familie begrüßen.
Ich bin meiner Hebamme so dankbar für diese tolle Begleitung! Sie war da ohne sich einzumischen, hat voller Freude an der Geburt teilgenommen ohne diese lenken zu wollen.
Mein Mann war auch da wenn ich ihn brauchte und fort wenn ich meine Ruhe wollte.Unsere Tochter gemeinsam in Empfang zu nehmen hat unserer Beziehung unheimlich gut getan.

Ich wünsche allen Frauen die Möglichkeit in so viel Freude zu gebären!

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Wie auf einer Rutschbahn

Nachdem mich am Dienstag der “Rappel” gepackt hatte und ich noch so Dinge wie Sockelleisten saugen erledigen “musste”, hatte ich schon so ein Gefühl, dass es bald losgehen könnte.

Am Mittwoch spürte ich dann auf dem Weg zu einem gemeinsamen Mittagessen mit meinem Mann und meiner Tochter die erste Kontraktion. Nach dem Essen wollten wir eigentlich noch gemeinsam in die Stadt, aber ich entschied mich, lieber heim zu gehen und mich auszuruhen. Den weiteren Nachmittag und Abend über hatte ich immer mal wieder sporadisch Kontraktionen, teilweise musste ich sie veratmen. Ich habe dann vorsorglich noch etwas geschlafen und bin abends früh ins Bett. Um 23:00 Uhr bin ich aufgewacht und hatte ab dann spürbare Kontraktionen mit Abständen zwischen 4 und 15 Minuten, phasenweise sehr regelmäßig. Mein Mann hat noch ein bisschen die Wohnung aufgeräumt und vorbereitet, um 1:00 Uhr schickte ich ihn schlafen. Ich kam sehr gut alleine zurecht und konnte vor allem die Relaxationsphasen wandernd durch die Wohnung total genießen. Draußen hatte es angefangen zu schneien, es war alles still und ich ganz bei mir und meinem Kind.

Gegen 4:00 Uhr wurde ich sehr müde und die Relaxationsphasen wieder länger, daher hab ich mich nochmal zum Dösen hingelegt.

 

Morgens waren immer noch Kontraktionen da, mein Mann machte unsere kleine Tochter fertig und brachte sie in den Kindergarten. Dort wurde sie dann von einer Freundin abgeholt und bis zum späten Abend liebevoll und einfühlsam betreut.

Als mein Mann zurück war, telefonierte ich mit meiner Vorsorgehebamme Eva und erfuhr, dass sie den Dienst übernehmen und uns bei der Geburt begleiten wird. Ich hab mich so gefreut!

Da meine Kontraktionen noch sehr unregelmäßig kamen, machten wir aus, dass ich erstmal ein Bad nehme. Dort kamen die Kontraktionen dann nach kurzer Zeit sehr regelmäßig alle 5 Minuten und ich fing bald an, sie leise zu vertönen. Immer wieder stellte ich mir mein Bild für die Öffnung des Muttermundes vor, während den Kontraktionen selbst kam allerdings kein Bild “einfach so” und für das aktive Hervorrufen war ich schon zu beschäftigt. Mein Mann war immer in meiner Nähe und sagte ab und zu die aus dem Hypnosekurs verinnerlichten 2×2 Worte, was ich als sehr schön und beruhigend empfand!

Zwischendurch schauten Eva und eine Hebammenschülerin vorbei, wir redeten kurz und Eva hörte die Herztöne des Babys ab. Eine Muttermunduntersuchung wollte ich lieber nicht, aus Angst vor Frustration.

Eva ließ mir noch Ut-Öl da, um die Geburt etwas anzuregen und verabschiedete sich vorerst wieder. Als ich nach zwei Stunden aus der Wanne kam, hatte mein Mann Mittagessen vorbereitet, ich wollte aber nur wenig essen. Außerhalb der Wanne wurden die Relaxationsphasen länger und ich hing etwas in der Luft…würden wir wieder so lange auf die Ankunft unseres Babys warten müssen wie schon bei der Geburt unserer Tochter? Oder sollte unser Sohn tatsächlich heute noch Geburtstag haben?

Nach dem Essen massierte ich das Ut-Öl ein und mein Mann schlug vor, noch etwas zu kuscheln. Er schlug auch vor, dass wir miteinander schlafen, ich war erst zögerlich aber ließ mich dann darauf ein. Da ich währenddessen mehrere Kontraktionen hatte, war es extrem intensiv für uns beide aber wirklich schön. Direkt danach nahm die Geburt auf einmal Fahrt auf, es kamen Kontraktionen im Abstand von 1-2 Minuten. Ich musste erstmal weinen vor Vorfreude darüber, dass es jetzt wirklich los ging. Die Kontraktionen wurden sehr schnell heftiger, aber das Verarbeiten und Vertönen fiel mir zu diesem Zeitpunkt noch leicht und kam mir total befreiend vor. Mein Mann rief Eva an, die dann um halb vier mit ihrer Hebammenschülerin zu uns kam. Die beiden legten leise und unaufgeregt die Sachen für die Hausgeburt zurecht und ließen meinen Mann und mich machen. Die Stimmung war schön und tatsächlich romantisch.

Ziemlich bald fingen die Kontraktionen dann an, mich sehr stark zu überrollen. Vom einen auf den anderen Moment fühlte ich mich gar nicht mehr “Herr” der Lage, wusste nicht, welche Position ich noch einnehmen sollte, wechselte sie ständig aber keine fühlte sich mehr erträglich an. Eva redete mir leise gut zu, massierte während den Kontraktionen mein Kreuzbein und hörte immer wieder nach den Herztönen des Babys. Mein Mann war mein Anker, die Bilder der Hypnose konnte ich in dem Moment gar nicht mehr hervorrufen, ich war doch sehr stark in Gedanken. Den unglaublichen Kräften, die während den Kontraktionen in mir wirkten machte ich mit lautstarkem Tönen, Brüllen und Weinen Luft. Inzwischen war Corinna, die zweite Hebamme, schon eingetroffen. Ich deutete daraus, dass Eva denkt, die Ankunft unseres Babys stünde kurz bevor. Ich selbst spürte dadurch einen Erwartungsdruck und auch die Sorge, dass das wie bei meiner ersten Geburt noch sehr lange dauern könnte, kam in mir hoch. Eva fragte, ob ich mal selbst nach dem Muttermund tasten möchte. Ganz weit weg spürte ich das Köpfchen meines Babys.

Plötzlich musste ich an den Satz auf der Hypnose-CD “wie auf einer Rutschbahn…” denken und er kam mir auf einmal so absurd vor. Beim besten Willen konnte ich mir nicht vorstellen, wie mein Kind einfach so herausrutschen sollte.

Immer mehr hatte ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten, wartete mit jeder Kontraktion darauf, dass endlich eine erlösende Presswehe kommt. Eva fragte, ob sie mal nach dem Muttermund schauen soll und ich war einverstanden. Es war noch immer ein Saum da.

Aus lauter Verzweiflung schlug ich vor, nochmal in die Badewanne zu steigen in der Hoffnung, im warmen Wasser die Relaxationsphasen besser nutzen zu können. Als es in der Wanne erstmal schlimmer wurde, wollte ich dann, wohlwissend, dass das nicht geht, ganz unbedingt Schmerzmittel und überlegte insgeheim, wie ich wohl in diesem Zustand eine Fahrt ins Krankenhaus aushalten könnte.

Eva spürte, dass ich sehr in Gedanken war. Sie schlug vor, die Hypnose-CD zu hören. Ich war einverstanden, konnte aber – anders als in den Wochen vor der Geburt, wo ich die CD oft und gerne gehört habe – nicht wirklich etwas damit anfangen in dem Moment.

Ich schrie viel “Nein”, ” nicht schon wieder eine Wehe” und “ich will nicht mehr”. Auf der CD kam parallel dazu ” Jaaaaaaaaaaaa” und Eva half mir, statt meinen Neins lieber Ja’s zu tönen.

Sie sagte dann, dass sie Corinna gerne nochmal wegschicken würde, da sie denkt, dass sie mich irgendwie störe.

Meine irrationale Reaktion darauf war: “Nein, dann dauert es ja noch länger!!!”. Ich rechnete im Kopf aus, dass sich das Heimgehen ja für Corinna nur lohnt, wenn sie erst in zwei Stunden wieder kommt. So lange wollte ich nicht mehr! Eva schickte Corinna trotzdem weg. Danach hatte ich tatsächlich das Gefühl, in eine kleine Zeitlosigkeit zu kommen, es war irgendwas mit drei – drei Minuten, drei Kontraktionen, ich weiß es nicht genau – und plötzlich spürte ich es: wie auf einer Rutschbahn rutschte der Kopf meines Babys auf einmal durchs Becken und ich erkannte das Brennen kurz vor Durchtritt des Kopfes wieder. Das gab mir nochmal eine enorme Kraft, ich schrie aus Leibeskräften, diesmal völlig euphorisch. Eva wunderte sich über diese plötzliche Wendung, aber unser Sohn kam jetzt tatsächlich, ich wusste es! Es fühlte sich sehr eng an aber ich erinnerte mich, „alles ist weit“! Der Kopf unseres Sohnes kam in zwei oder drei Schüben, ich durfte die Haare anfassen, kurz darauf schob ich in einem letzten Kraftakt noch seinen Körper heraus.

Und dann war er da, lag gesund und perfekt auf meiner Brust. Wir hatten es geschafft!

Wir begrüßten unseren Sohn, er weinte gleich ein bisschen. Alles war gut.

Weil das Wasser in der Wanne inzwischen kühl war, zogen wir ins Schlafzimmer um. Ich wartete stehend vor dem Bett, während die Hebammen dieses vorbereiteten und spürte auf einmal, wie sich die Platzenta löste. Ich sagte es in dem Moment, wo sie schon (zügig und vollständig) kam und geistesgegenwärtig von Eva aufgefangen wurde.

Ich war im Wochenbett. Wir hatten es geschafft. Eine schöne Hausgeburt in vertrauter Umgebung und noch dazu mit “meiner” Hebamme. Was für ein Geschenk so eine selbstbestimmte Geburt doch ist, die mir bei jedem Erinnern unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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Die überraschende Hausgeburt unserer Löwin Tilda Marlene im August 2018

Mein errechneter Entbindungstermin war der 21.08.18, einer der vielen heißen Sommertage, an dem ich morgens zum Schwimmen ging und wir uns abends noch mit Freunden trafen. Wir hatten uns dafür entschieden, dass unser erstes Kind im Geburtshaus zur Welt kommen soll und die Vorfreude war riesig. Ich hatte die letzten Abende immer mal wieder ein Ziehen im Rücken und im Unterleib verspürt. In unserer Wohnung angekommen war das Ziehen auch an diesem Abend wieder da. Aber dieses Mal wurde es kräftiger und regelmäßiger, sodass ich es nicht mehr ignorieren konnte. Ich freute mich und war mir sicher, dass die Geburt bald beginnen würde. Gegen 23 Uhr legten wir uns ins Bett, um uns nochmal auszuschlafen. Schnell merkte ich, dass zumindest für mich an Schlaf nicht mehr zu denken war. So tingelte ich durch unsere Wohnung  und suchte mir verschiedene Positionen, in denen ich gut entspannen und atmen konnte. Gegen 1 Uhr wurden die Wehen immer regelmäßiger und es fiel mir immer schwerer mich abzulenken.

Um 1.30 Uhr rief Tobi bei unserer Hebamme Corinna an.  Sie bat uns an vorbeizukommen, um nach dem Geburtsstand zu schauen. Ich hatte inzwischen kräftige regelmäßige Wehen. Nach ca. einer halben Stunde kam Corinna bei uns an. Innerhalb weniger Minuten wurde uns allen klar, dass wir es nicht mehr ins Geburtshaus schaffen würden. Ich verspürte inzwischen schon einen Pressdrang. Es war nicht einmal mehr Zeit den Geburtskoffer aus dem Auto zu holen. Tilda hatte entschieden jetzt zu kommen. Corinna rief schnell Eva dazu. Ich suchte mir eine angenehme Position auf dem Sofa und begab mich tönend in die Wellen von Presswehen. Schon nach wenigen Wehen konnte ich Tilda’s Köpfchen fühlen und wusste sie wird bald bei uns sein. Um 3.30 Uhr schmatzte es schon zwischen meinen Beinen. Das Köpfchen war geboren und die Löwin hatte offensichtlich Hunger mitgebracht. Ich ließ mir Zeit und versuchte ganz bei ihr zu sein. Ich wusste alles ist gut.

Unsere Nachbarn waren wegen der Geräusche wohl anderer Meinung und schickten uns pünktlich zu Tilda’s Geburtsstunde die Polizei vorbei. Während Eva raus ging, um die Polizisten aufzuklären, ließ ich mich motiviert von den letzten Wellen mitreißen und nahm um 3.39 Uhr unsere wundervolle Tochter Tilda auf. Wir sind unendlich dankbar für ein so intensives, schnelles und wunderschönes Geburtserlebnis!

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Geburt von Kian

Unser Kian ist am Samstag 30.6. wie erhofft zuhause geboren.

Ich hatte schon den ganzen Freitag über leichte aber doch schon gut regelmäßige Wehen, welche jedoch wieder deutlich abnahmen, nachdem wir unsere zwei älteren Kinder abends zu meinen Eltern gebracht hatten. Ab 23 Uhr Freitag Abend waren sie dann jedoch wieder regelmäßig da und auch schon so, dass sie mich nicht mehr haben schlafen lassen. Ich konnte sie jedoch mit der Übungs-CD aus dem Hypnosekurs, ganz in Ruhe und für mich selbst auf dem Sofa sehr gut veratmen und zwischendurch auch immer wieder ein klein wenig wegdösen. Ab 4 Uhr wurden die Kontraktionen dann schon so stark, dass ich meinen Mann weckte. Nachdem die Wehen ganz deutlich angezogen hatte rief mein Mann um 5:30 Uhr Corinna an. Sie kam eine knappe halbe Stunde später bei uns an. Sie kümmerte sich um mich, sprach mir gut zu, denn ich begann Zweifel zu haben. Ich konnte mich zu dem Zeitpunkt gut an die ersten 3 Geburten erinnern und die Angst stieg in mir auf. Sie hörte die Herztöne von Kian ab und nahm meinen Puls. Dann fing sie auch gleich an, alles für die Geburt vorzubereiten. Ich wusste, ich wollte mein Kind jetzt und zuhause gebären und ich fasste allen Mut nicht gegen die Schmerzen zu sträuben. Ich wollte meinem Körper vertrauen. Der Pressdrang wurde sehr viel stärker und Corinna versicherte mir, dass ich dem Impuls nachgehen sollte. Ich hatte mir ein Tuch aufgehängt in das ich mich super reinhängen konnte und so konnte ich in der Hocke mitschieben. Mein Mann sprach mir gut zu und unterstütze mich wo er nur konnte. Nach ein paar Wehen war Kian dann um 7:05 Uhr geboren. Ich war so erleichtert und sehr stolz. Wir hatten es geschafft. Ich durfte Kian selbst zu mir hoch nehmen und eine ganz intensive Kuschelzeit mit ihm geniessen, bevor Corinna ihn später auf unserem Bett wog und untersuchte.

Er wog 3910g, war 55cm lang und hatte einen Kopfumfang von 37cm.

Es war eine unglaublich starke Erfahrung. Nach den vorangegangen drei Geburten hatte ich große Zweifel, dass ich diese Geburt ohne künstliche Schmerzmittel, medizinische Eingriffe und im heimichen Umfeld erleben durfte. Aber ich hatte es mir sehr gewünscht.

Ich fühlte mich mit dem Atemkurs und der geburtsvorbereitenden Hypnose sehr gut vorbereitet. Das Wissen darüber, dass die Geburt etwas so natürliches ist und mein Körper und mein Geist dafür gemacht sind, gebären zu können, hat mir unheimlich viel Mut und Kraft gegeben. Außerdem hatte ich grosses Vertrauen in die Hebammen, die mich sowohl die Schwangerschaft über, als auch dann bei der Geburt und im Wochenbett sehr kompetent und liebevoll betreut haben.

Insgesamt hatte ich durch die Vorbereitung eine sehr positive Einstellung bekommen und hatte mich sogar auf die Geburt gefreut (nicht nur darauf, dass ich am Ende dieses super tolle Geschenk erhalte), sondern auch auf das bewusste Erleben der Geburt.

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Geburt am Pfingstsonntag

Pfingstsonntag: Morgens zwischen sechs und sieben wachte ich auf, diesmal war es aber nicht nur der Schwangerschaftshunger der mich täglich so früh aus dem Bett trieb, sondern da waren auch noch leichte Wehen – alle zehn Minuten etwa. Nicht zu heftig, aber vielleicht würde sich da ja noch was tun heute.
Beim Frühstück verkündete ich dann, dass das Baby heute vielleicht ausziehen will – die Brüder waren natürlich sehr aufgeregt. Nach drei Stunden und einer warmen Dusche wurden die Wehen dann weniger, die Abstände größer. Ich beklagte mich schon, dass ich nun noch länger warten sollte. Nur noch ganz selten kam eine, da nutzte es auch nichts dass die eine oder andere schon intensiver war als das Geplänkel am Morgen.
Wir beschlossen, trotzdem später einen Geburtstagskuchen zu backen, den kann man ja auch so essen. Ich legte mich immer wieder mal für eine halbe Stunde hin, mein Mann hielt die Kinder in Schach.

Mittags (das wird so gegen halb zwölf gewesen sein) kochten wir zusammen (wobei ich mich bei einer Wehe zum ersten Mal in die Hocke begeben musste um sie besser auszuhalten), nach dem Essen gingen wir auf den Bauernhof, um die Kleinen zu beschäftigen. Irgendwann davor oder danach habe ich Constanze angerufen, um sie vorzuwarnen dass sie heute Nacht vielleicht gebraucht wird. Sie meinte noch, dass es möglicherweise nicht so lange dauert, wenn ich schon in die Knie gehe zum wehen, ich war aber überzeugt, dass hier tagsüber mit der Rasselbande im wachen Zustand nichts laufen wird.
Nun ja, auf dem Bauernhof hab ich zweimal einen Kniefall vor den Kühen gemacht, und auch schon ein bißchen veratmen müssen. Wir sind dann recht spontan wieder heim, und haben angefangen den Kuchen zu backen. Ich hab alle Zutaten freiwillig aus dem Keller geholt, weil ich nicht wollte dass die Wehen wieder einschlafen und Treppensteigen ja helfen soll. Tatsächlich wurden sie eher häufiger und stärker, so dass wir die Kleinen dann gegen 16.30 noch für eine Stunde zu den Nachbarn gebracht haben. Der Große ist zu einem Freund, und ich wollte dann gegen 17.00 Uhr in die Wanne. Dort musste ich die Wehen dann schon vertönen, es war aber noch nicht schlimm, ich konnte sie gut annehmen, mich richtig weit aufmachen und in die Wehen eintauchen. Mein Mann hat immer wieder nach mit geschaut, wobei er jedes Mal eine Wehe mitgebracht hat…
Nebenbei hat er das Essen für die Jungs gerichtet und auf meine Bitte hin nochmal die Constanze angerufen. Sie war gerade noch bei einer anderen Geburt, wollte noch auf die Plazenta warten und dann kommen.

Ich habe weiterhin getönt, die Abstände wurden immer kürzer und die Intensität heftiger. Aber es war alles gut,ich war voller Vorfreude auf mein Kind, habe ihm gesagt dass er kommen darf, und auch die Phasen die ich alleine in der Wanne war genossen. Es war teilweise mehr ein Singen als „nur“ Tönen, Zeitgefühl hatte ich gar keines mehr und auch mein Mann meinte, dass ich während der Wehen ganz woanders war. Immer wieder habe ich weit geöffnete Blüten (die Clematis aus unserem Garten) visualisiert, mich ganz bewusst weich, entspannt und auf gemacht, den Mund locker gelassen – alles, was ich halt so kenne um die Eröffnung zu unterstützen.
Die ganze Zeit hatte ich eine super Verbindung zum Baby, hab mit ihm gesprochen und seine Bewegungen gespürt, wusste, dass es ihm gut geht. Irgendwann bin ich von der Rückenlage in den Kniestand gewechselt, währende der Wehen bin ich in den Vierfüßler gegangen.
Die Stimmung war vollkommen ruhig, wir haben kaum geredet, ich konnte mich ganz auf die Geburt konzentrieren.

Zwischendurch habe ich mal getastet wie weit ich schon bin, konnte es aber nicht richtig zuordnen. (Wobei ich inzwischen glaube, dass ich da schon sehr weit war und die FB gespürt habe)
Mittlerweile waren die Wehen schon heftiger, aber nicht so dass ich mich hilflos gefühlt hätte. Auch dieses „Ich will nicht mehr, ich schaff das nicht“-Gefühl blieb diesmal völlig aus.
Gegen 18.40 Uhr kam die Constanze an, sie sagte kurz Hallo und fragte mich, was ich meine wie weit ich schon bin. (Was bin ich ihr dankbar für ihre Zurückhaltung – kein Gefummel durch vaginale Untersuchungen, was ich von meinen vorherigen Geburten als recht schmerzhaft in Erinnerung habe!) Ich meinte dass ich mich wohl anhöre wie sonst in der Übergangsphase, konnte es aber kaum glauben, weil die ganze Geburtsarbeit bisher so leicht gegangen war. Sie schaute einmal kurz nach den Herztönen und lies uns dann allein.
Irgendwann sagte ich meinem Mann dass er sie wieder holen soll, sie half mir dann auf meinen Wunsch hin aus der Wanne. Im Flur musste ich nochmal eine Wehe auf dem Boden im Vierfüßler veratmen, in der nächsten Pause haben wir es ins Schlafzimmer geschafft. Zwischen Bett und Heizung, auf einer Kindermatratze begann dann die Austreibungsphase .Ich habe zwischen Kniestand, hohem Vierfüßler und Hocke hin- und hergewechselt, ganz so wie es angenehm war.
Ich fragte noch ob Constanze schauen kann wie weit ich bin, sie meinte nur „Lass uns mal abwarten was die nächste Wehe bringt“ – tja, da platzte dann auch schon die Fruchtblase. So ein wundervolles, erleichterndes Gefühl!

Die Austreibungsphase selbst war zwar gewaltig, aber ich habe die Kontrolle komplett an meinen Körper und das Kind abgeben können. Ich dachte mir noch „Nicht ICH PRESSE mein Kind heraus, das geht von allein“ Und so hat es sich auch angefühlt. Mit meinen Händen habe ich das Köpfchen in Empfang genommen, und den Druck auf den Damm so gut mitsteuern können.
Ganz deutlich hab ich den „Ring of fire“ gespürt, und auch deutlich mitgeteilt dass es jetzt schon wehtut, wusste aber im gleichen Moment dass mein Kind gleich da ist und dass genug Platz da ist um es heraus zu lassen.
Als das Köpfchen geboren war bremste Constanze mich aus („Mach langsam, er muss sich doch drehen“), mein Körper hat auch ohne Wehe weitergeschoben, und ich hatte den Eindruck dass auch der Zwerg sich weiter raus arbeitet. Mit den nächsten Wehen (eine? Zwei?) wurde unser Sohn dann geboren. (Laut Geburtsbericht der Hebamme OHNE sich komplett ausrotiert zu haben.)
Bei der Geburt hatte er seine Hand am Kopf, was aber absolut nicht gestört hat. Constanze hat ihn vorsichtig rausgeleitet (aber nicht richtig hochgenommen), so dass er dann auf Matratze lag. Der Kleine hat kurz gemeckert und wurde schnell rosig.
Ich habe ihn hochgenommen, bin mit Hilfe der Hebamme und meines Mannes aufs Bett geklettert und habe mir den Kleinen auf den Bauch gelegt. Zunächst lag er ziemlich weit unten, so dass der erste Blickkontakt mehr mit dem Papa als mit mir war. Mir hat es in dem Moment aber völlig gereicht, ihn auf dem Bauch zu haben, zu streicheln, zu riechen und die beiden beim Begrüßen zu beobachten.

Gerade mal 10 min. nach der Geburt holte mein Mann die Geschwister dazu, die ihren neuen Bruder bestaunten und willkommen hießen.
Bis zur Geburt der Plazenta habe ich keinen Tropfen Blut verloren, was sogar die Hebamme erstaunt hat – beim fünften Kind schien meine Gebärmutter wohl gut im Training zu sein…
(Von wegen Vielgebärende sind als Geburtsrisiko zu sehen!)

Die Plazenta kam erst ca. eine Stunde später, mit angedocktem Baby über einer Schüssel hockend, abgenabelt haben wir erst danach. All die Dinge, die ich für die Geburt vorbereitet hatte, wurden gar nicht benötigt – alles was ich brauchte war das Lavendel-Entspannungsbad und ein Glas O-Saft-Schorle.

Die erste Nacht war absolut zauberhaft – ich bestaunte den Kleinen, stillte ab und zu und fühlte mich von der Geburt kein bisschen mitgenommen sondern vielmehr total energiegeladen und stark.

Die Geburt war perfekt – ich habe keinerlei Verletzungen, von einer kleinen Schürfung abgesehen, die aber auch nur beim ersten Mal Pinkeln nach der Geburt kurz gebrannt hat. Ich war total selbstbestimmt, konnte mich ganz dem Geschehen hingeben weil mir niemand reingeredet hat, wurde keine Sekunde von meinem Kind getrennt.
Wir konnten ungestörten Hautkontakt genießen – erst am Mittag des nächsten Tages bekam A. Eine Windel an (nachdem er die erste Ladung Mekonium auf mir abgeladen hatte), auch ich habe mir erst was übergeworfen als die Nachsorge-Hebamme kam.
Nach vier KH-Geburten, von denen besonders die letzte gar nicht so lief wie ich es mir gewünscht hatte, war diese Geburt so heilsam für mich! Nachdem viele Verletzungen der letzten Geburt nochmal hochkamen (auch in intensiven Träumen), merke ich, dass ich meinen Frieden damit mache.
Hier noch die Maße:

3360 g schwer – mein bisher schwerstes Kind
52 cm lang
35 cm KU

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Beraten, beschützt, bestärkt, beruhigt….

… so fühlten wir uns bei unserer Geburt unseres ersten Kindes!

Am errechneten Termin machten sich abends um 23 Uhr erste Kontraktionen bemerkbar. Diese waren kurz und zwischendurch war es immer wieder so, als sei nichts gewesen. Ich konnte noch ein bisschen räumen, nochmal über die Küchenplatte wischen, und im Flur ein bisschen Chaos beseitigen. Ich legte die Meditations-CD aus dem Hypnosekurs auf, schlief immer wieder ein, hörte Musik, atmete auf dem Sitzball wippend und so weiter: Ich fühlte mich bereit fürs Baby!

Am nächsten Morgen gegen 11 Uhr rief ich Corinna aus dem Geburtshaus an, um ihr Bescheid zu sagen, dass wir wohl die Geburt miteinander erleben würden! Ich freute mich wirklich sehr, dass sie dabei sein würde! Zu wissen, dass ich mich jederzeit melden könne, war sehr hilfreich!

Ich probierte zu Hause in Ruhe alle möglichen Positionen zum Veratmen der Kontraktionen durch. Gegen 17 Uhr musste schon mein Mann bei Corinna anrufen, weil ich nicht mehr imstande war zu sprechen, ohne von einer Kontraktion ergriffen zu werden. Corinna kam zu uns nach Hause, redete uns gut zu, und wollte den Muttermund ertasten. Ich wollte zunächst gar nicht wissen, wie weit er schon geöffnet war, um nicht demotiviert zu sein. Aber sie überzeugte mich. So standen wir also bei 4-5 cm.

Ich tönte weiter meine tiefen „Ahhhs” und „Ohhhs“, entspannte meine Stirn und meinen Kiefer, dachte an meine Kraftspender und versuchte immer wieder, bewusst zu entspannen. Mein Mann unterstützte mich fabelhaft dabei – er legte mir die Hand auf die Stirn oder sprach mir Mut zu. In der Badewanne gelang mir die Entspannung am besten- als ich jedoch ausstieg, verspürte ich schon einen Drang, mitschieben zu wollen.

Also packte mich mein Mann um ca. halb zehn abends ins Auto ein und fuhr mit mir ins Geburtshaus, wo Corinna schon auf uns wartete. Die Kerzen leuchteten, die Wanne war schon eingelassen, es roch so gut und vertraut. Es fühlte sich in dem Moment einfach alles richtig und schön an! Corinna war einfach da und ermutigte und bestärkte und lobte mich in allem was ich tat. Da es mir im Wasser am wohlsten war, stieg ich wieder in die Wanne, bis jedoch Corinna mich aufforderte, auszusteigen, weil Oskars Herztöne absackten. Mein Mann und ich atmeten mit voller Konzentration tief zu unserem Sohn und sprachen mit ihm – im Nu gingen die Herztöne wieder nach oben. Und schließlich kam Oskar dann in einer urgewaltigen Kontraktion „in einem Schwups“ vor dem Bett auf die Welt! Und da lag er nun vor mir und ich konnte nur rausbringen: „Wie klein bist du!!! Hallo, kleiner Mensch!“

Corinna half mir beim Hochnehmen und wir kuschelten uns sofort zusammen aufs Bett. Ein unglaubliches Gefühl von Stolz und Stärke und Wachheit durchströmte mich!

Mich haben die Meditationen aus dem Hypnosekurs total beruhigt; sosehr dass ich immer wieder zwischen 2 Kontraktionen schlafen oder zumindest super entspannen konnte. Außerdem hat mich das Bild meiner guten Geburt sehr bestärkt! Ich stellte mir immer wieder meinen uralten, fest verwurzelten, starken, alten Baum vor. Manchmal machte ich auch während der Kontraktionen Handbewegungen, z.B. Wellen oder die sich öffnende Knospe einer Blume.

Alles in allem war die Geburt ein wunderbar bestärkendes Erlebnis, über das mein Mann und ich sehr viel sprechen und von dem wir richtig schwärmen. Wir empfinden beide sehr tiefe Dankbarkeit, dass alles so toll gelaufen ist und auch Demut, so ein kleines, gesundes Menschenbündel zur Welt gebracht zu haben! Unsere Intuition hat definitiv über all die Zweifler und Krittler gesiegt!

Aber auch dem ganzen Team vom Geburtshaus gegenüber sind wir sehr dankbar für die tolle Vor-/Während-/ und Nachsorge, die zu jeder Zeit absolut wertschätzend war!

Wir waren so gespannt und euphorisch, die Geburt zu erleben, dass wir euch auch gerne ermutigen wollen, so gelassen zur Reise zu eurem Kind zu starten! Ihr schafft das auch!

Oskar kam am 10. Mai 2018, dem diesjährigen „Vatertag“, um 01.07 Uhr mit 3020g und 52cm Länge auf die Welt! Wir sind absolut verliebt und fühlen uns sehr verwöhnt vom Glück!

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Eine kraftvolle Geburt - Emilia

Es ist etwa halb sechs am Dienstagabend. Ich stehe im Türrahmen zum Bad und glaube gerade meine erste Wehe gespürt zu haben. Ich freue mich, dass es bald losgeht. Schon die letzten Tage habe ich das Gefühl gehabt, dass sich etwas tut. Ich fühle mich bereit und trotzdem nervös. Mein Bauch fühlt sich riesig an, meine Finger und mein Gesicht sind ganz aufgequollen. Mein Körper hat anscheinend auch genug vom schwanger sein.

Mein Mann repariert noch schnell den Wasserhahn im Bad und ich lege eine wasserdichte Unterlage auf meiner Matratze bereit. Für den Fall der Fälle.

Nach dem Abendessen gehen wir recht zeitig ins Bett. Nochmal den letzten Schlaf mitnehmen. Ich habe viele Berichte gelesen in denen es noch ein paar Tage dauerte bis es wirklich losging – mit dieser Erwartung gehe ich schlafen. Jede halbe Stunde wache ich auf, die Intensität der Kontraktionen nehmen zu. Am liebsten liege ich dabei auf der Seite und rolle mich zusammen – soweit das eben geht mit der Kugel.

Gegen Mitternacht beschließe ich mal auf die Uhr zu schauen. Die Abstände haben sich deutlich verkürzt. Die Pausen sind nur noch knapp eine viertel Stunde lang. Die Wehen fordern mehr Konzentration von mir. Ich wecke meinen Mann mit den Worten „Ich glaube morgen gehst du nicht mehr auf die Arbeit“ – Ich soll recht behalten. Er bereitet das Wohnzimmer vor- Malerfließ auf dem Boden, Kerzenlicht sorgt für eine entspannte Stimmung, die Heizung läuft und am Deckenhaken hat ein Tragetuch den Hängesessel abgelöst. Die Couch wird mein Lieblingsort für die nächsten Stunden. Ich knie davor und stütze mich darauf ab. In den Pausen kann ich den Oberkörper ablegen und entspannen. Mein Mann sitzt mir gegenüber und hält meine Hände, so kann ich gut daran ziehen.

Ich empfinde die Wehen immer heftiger, ich habe kaum noch Pausen. Mir geht das etwas zu schnell. Ich mache mir etwas Sorgen um das Baby, denn wie auch während der Schwangerschaft fühle ich kaum Bewegungen. Und außerdem bin ich schon am Schwitzen. Innerlich muss ich etwas schmunzeln. Denn bevor die Frau schwitzt, so hieß es davor augenzwinkernd bräuchte man die Hebamme gar nicht erst dazu holen.

Ich wechsle die Positionen, hänge mich auch mal an das Tuch. Lautes Tönen hilft mir mit den Wehen zu arbeiten. Mein Mann tönt zeitweise mit. Hätte nicht gedacht, dass ich das gut finden werde. Kurz denke ich an die Nachbarn und die hellhörigen Wände. Egal. Ich weiß, dass jede Wehe einen Hormoncocktail lostritt die mein Körper für diesen Kraftakt braucht. Darauf habe ich mich mental vorbereitet und daran hält mein Hirn fest. Scheint zu funktionieren. Nächstes Mal sollte ich mehr Ausdauer trainieren, denke ich nur. Ich spüre jeden Muskel in meinem Körper arbeiten und frage mich wie lange ich das wohl aushalte.

Es ist vielleicht 3 Uhr früh als ich Marcus bitte doch mal die Hebamme zu rufen. Ans Telefon geht Ann-Christin- Ich freue mich, denn Sie ist „meine“ Hebamme. Sie ist in kurzer Zeit da. Ich fühle mich wieder sicher. Sie untersucht mich und mein Baby – alles ist gut. Sie bietet mir an mich vaginal zu untersuchen-das nehme ich gerne an. Dafür muss ich mich auf den Rücken legen. In dieser Position finde ich die Wehen kaum auszuhalten – einer der vielen Momente in denen ich meine selbstbestimmte Geburt schätze. Der Muttermund ist erst wenig geöffnet. Ein Blick auf die Uhr und ich hoffe innig, dass die Regel „1 cm pro Stunde“ bei mir nicht gilt. Es wird nämlich anstrengend. Ich schicke Ann-Christin weg. Sie würde bleiben, wenn ich das will. Ich weiß diesen Part müssen mein Baby und ich alleine schaffen. Mein Mann bleibt tapfer bei mir. Die Wehenpausen sind so kurz, ich lasse ihn nicht mal auf Toilette. Im Nachhinein tut er mir ein wenig leid.

So wehen wir gemeinsam. Ich entwickle einen richtigen Rhythmus. Bis ich anfangen muss zu pressen. Jap das kann man wirklich kaum unterdrücken. Da werde ich von jeder Wehe aufs neue überrascht. Zeit für die Hebamme. Da um 7 Uhr Übergabe ist warten wir noch ein wenig bis wir anrufen. Ich weiß Corinna hat ab jetzt Dienst. Das beruhigt mich, ich habe ein gute Gefühl bei Ihr.  Dass Corinna ankommt bemerke ich kaum noch. Auf einmal sitzt sie neben mir und redet ruhig mit mir. In den Wehenpausen kontrolliert sie die Herztöne. Alles ist gut. Sie untersucht mich – der Muttermund ist noch nicht komplett offen. Sie fragt mich daher ob ich die Presswehen noch ein paar Mal veratmen kann. Ich versuche es – aber mein Körper ist anderer Meinung- ich schaffe es kaum. Ich bin kurz verunsichert. Doch dann rät sie mir es so zuzulassen wie es eben geht. Irgendwann dazwischen kommt Eva, die zweite Hebamme dazu auch das bekomme ich nicht wirklich mit.

Corinna schlägt mir vor selbst nach dem Köpfchen zu tasten. Aber dafür habe ich gerade keine Nerven. Ich bin damit beschäftig meinen Körper zu kontrollieren. In dieser Phase benötige ich all meine Konzentration und Kraft. Ich schaue nicht mehr auf die Uhr, weiß nicht wie viel Zeit vergeht. Ab und zu wird mir kalt, dann legt mir mein Mann den Bademantel um. Dann wird mir wieder heiß. Ich verlange nach Traubenzucker und etwas zu trinken.

Ich spüre den Druck Richtung Damm. Ärgere mich etwas, wenn ich zwischen den Wehen fühle wie der Kopf des Babys wieder zurückrutscht. Doch ich spüre es geht vorwärts. Ich gehe nochmal auf Toilette. Aber ich muss gar nicht. Ich mache die Tür trotzdem hinter mir zu, fühlt sich gut an kurz ganz für mich zu sein.

Die Position an der Couch wird mir zu verkrampft, meine Ellenbogen sind ganz aufgescheuert. Wir versuchen es im Stehen am Tuch oder in den Armen meines Mannes. Das geht gar nicht. Bei jeder Wehe klappe ich vor Anspannung fast in der Mitte zusammen. Gut dann versuche ich mal die tiefe Hocke. Die hatte mir in der Vorbereitung am besten gefallen. Meine Oberschenkel streiken. Dann eben wieder zurück ins Knien. Ich bemerke am Rand wie Corinna warme Kaffeekompressen auf meinen Damm legt und mir den Rücken streicht. Das ist angenehm. Sie schlägt vor, dass ich nochmal zur Toilette gehe. Finde ich erstmal gar nicht gut. Der Weg kommt mir ewig weit vor, zweifle ob ich das zwischen den Wehen schaffe (es sind nur 2 Meter gewesen 😉). Als ich schließlich auf der Toilette sitze bekommt mich Corinna kaum noch davon runter. Ich kann hier gut pressen, eine gute Sitzhöhe und ich kann mich seitlich an den Wänden abstützen. Jetzt taste ich auch mal selbst und spüre den Kopf als eine harte, leicht glibschige Rundung. Eine ganz wundersame Erfahrung. Corinna möchte mich gerne wieder im Wohnzimmer, Geburt auf der Toilette ist vielleicht nicht ganz das wahre. Ok ich raffe mich wieder auf.

Von da an geht alles ganz fix – zumindest in meiner Einnerung. Ich knie wieder vor dem Sofa, mein Mann sitzt vor mir. Er hat mich im Arm. Die letzten Presswehen strengen ich mich nochmal richtig an. Auf einmal spüre ich den Druck steigen. Corinna meint der Kopf ist gleich durch. Dann wird es auf einmal ganz warm und das Fruchtwasser entleert sich in einem Schwall. Bei der nächsten Wehe flutscht der Rest meines Babys durch. Es ist 10:31 Uhr. Ich setze mich zurück, so dass ich mein Baby selbst auf meine Brust legen kann. Bevor ich es überhaupt sehen kann steigen mir die Tränen in die Augen. Eine Welle aus Gefühlen überkommt mich. Ich bin gleichzeitig so erschöpft, so glücklich, verliebt, dankbar und verdammt stolz wie ich es noch nie zuvor war. Mein Mann und ich küssen uns unter Tränen und halten gemeinsam unser Kind in den Armen. Es ist ein Mädchen, unser erstes Kind.

Ich lege mich mit Baby Emilia auf die Couch und lege sie das erste Mal an. So ein kleines zerbrechliches Wesen, sie ist perfekt und wunderbar.

Nach ein paar Minuten kündigt sich die Nachgeburt an. Corinna fordert mich noch einmal zum Pressen auf. Zu unser allem Erstaunen kommt diese dann mit etwas mehr Schwung auf Corinna zu wie erwartet – da war ich anscheinen noch voll im Pressmodus. („Du hast gesagt ich soll Pressen“ 😉)

Jetzt habe ich Hunger! Ich glaube Ann-Christin war es die Brötchen vorbeibringt und extra ein Croissant für mich. Eine unwahrscheinlich herzliche Geste.

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert hat durchtrennt mein Mann die Nabelschnur. Er kann nun nach den Untersuchungen mit Emilia ins Bett zum Kuscheln.

Emilia hat sich ihren Weg gebahnt, so muss mich Corinna noch nähen. Ich hatte das gar nicht mitbekommen, darüber bin ich froh. Sie betäubt alles gründlich und arbeitet sehr einfühlsam. Danach kann ich endlich duschen. Eva begleitet mich. Ich bin noch etwas zittrig auf den Beinen. So fühlt man sich bestimmt nach einem Marathon – am nächsten Tag werde ich Muskelkater haben…mein Mann übrigens auch, vom ganzen Dagegenhalten.

Erst als alle Fragen geklärt sind und wir gut versorgt sind verlassen uns Corinna und Eva. Ich freue mich wahnsinnig danach in meinem eigenen Bett zu liegen und dort mein Wochenbett zu verbringen

Gleich abends kommt auch schon Ann-Christin vorbei und beginnt mit der Nachsorge.

Auch heute fast 9 Monate nach der Geburt unserer Tochter, erinnere ich mich gerne mit meinem Mann daran zurück. Ich bin glücklich, dass ich meine Tochter in entspannter Atmosphäre mit mir vertrauten Menschen und in gewohnter Umgebung zur Welt bringen durfte. Ich danke dem besten Mann der Welt, dass er meine Wünsche respektiert und mich auf diesem Weg begleitet.

Ich wünsche jeder Frau die Möglichkeit ihre Geburt so zu gestalten wie sie es möchte.

Dieser Texte unterliegt dem Urherberrecht. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung – auch auszugsweise – bedarf der vorherigen Zustimmung des Urhebers.


Geburt unseres Sohnes zu Hause

Es war der 13.01.2018, vier Tage vor dem errechneten Termin. Nach einem schönen, aber auch anstrengenden Tag  ließen mein Mann und ich den Tag mit Freunden entspannt ausklingen.  Ich hatte Appetit, etwas richtig Gutes (Fleisch!) zu essen, so gingen wir nochmal kurz einkaufen. Die anderen kochten, ich legte mich derweil kurz hin und schlief. Zum Abendessen stand ich wieder auf. Gegen 21 Uhr begann ich Kontraktionen der Gebärmutter zu bemerken und musste auch mehrmals zur Toilette den Darm entleeren. Ich dachte an die „3 B’s“ (Backen, Baden, Bier) und entschied mich für ein alkoholfreies Bier. War mir zu dem Zeitpunkt noch nicht sicher, ob die Geburt startet oder der Tag etwas zu anstrengend gewesen war und ich daher Schmerzen hatte und einfach Erholung brauchte. Gegen 22 Uhr verabschiedete ich mich aus der gemütlichen Runde im Wohnzimmer und zog mich in die Badewanne  zurück. Wollte mal ausprobieren, welche Wirkung das hatte. Tat gut und war entspannend, aber veränderte nichts an den regelmäßigen Kontraktionen, etwa alle 10 Minuten. Noch ganz gut verträglich. Also: Entspannung und so viel wie möglich schlafen. Schüttelmassagen von Steffen. Nach Mitternacht wurden die Wehen heftiger, ich brauchte Raum und Platz für mich. So bat ich Steffen mit unserer großen Tochter ins Kinderzimmer zu ziehen und einfach weiterzuschlafen.

Ich hatte mir für diese Geburt vorgenommen, die Wehen so lang wie möglich alleine mit mir auszumachen und zu verarbeiten. Steffen sollte seine Kräfte für später sammeln können.  Die Wehen ließen sich noch gut veratmen und ich konnte sogar dabei liegen bleiben. Zwischendurch schlief ich weiter. Da es mitten in der Nacht war, wollte ich nicht anfangen zu backen oder mich anderweitig abzulenken, sondern versuchte möglichst viel zu ruhen und zu schlafen. Gegen drei Uhr waren die Wehen sehr stark, die Schmerzen wurden heftiger.  Inzwischen musste ich auch jedes Mal in den Wehen aufstehen und diese, auf die Kommode gestützt, veratmen. Ich wollte ausprobieren, ob mir ein Bad gut tun würde, ließ Wasser ein und legte mich in die Wanne. Tat gut, aber die Wehen waren weiter schmerzhaft. Ich betete, dass Gott die Schmerzen mit mir teilt. Manchmal konnte ich genau das erleben, manchmal fühlte ich mich einfach allein und verlassen. Gegen vier Uhr hatte ich einen echten Tiefpunkt. Ich  musste an die langwierige erste Geburt denken und bekam Angst, dass es wieder so werden würde. Ich schrieb eine Nachricht an eine Freundin und Seelsorgerin mit der Bitte für mich zu beten. Gegen 5 Uhr weckte ich das erste Mal Steffen. Wir beschlossen gegen 7 Uhr bei der Hebamme anzurufen. Kurz vor 7 Uhr hatte ich inzwischen schon sehr starke Wehen, ich konnte dabei nur noch stehen, der Druck auf den Darm war groß. Ging regelmäßig auf die Toilette, der Darm entleerte sich. Steffen rief die Hebamme, an. Sie kam eine halbe Stunde später bei uns zu Hause an. Unsere  Tochter schlief immer noch. Steffen gab auch dem Freund Bescheid, der sich während der Geburt um sie kümmern wollte.

Eva, meine Hebamme, merkte recht schnell, dass hinter den Wehen schon ein großer Druck steckte und bot an mich zu untersuchen. Der Muttermund war schon 6-7cm geöffnet. Ich war sehr erleichtert, dass er schon so weit geöffnet war. Und von dem Zeitpunkt an ging alles recht schnell. Eva rief die zweite Hebamme, ich wechselte vom Stehen in den Vierfüßler-Stand vorm Bett und war schon mitten in den Presswehen. Ich wollte nicht mehr, machte aber doch weiter, es gab ja keinen Weg zurück. Ich war recht laut, spornte das Baby an, nun zu kommen. Die Fruchtblase platzte. Da sich der letzte Zentimeter Muttermund nicht öffnen wollte, schlug Eva vor, in die Seitenlage zugehen, was ich aber während der Wehen nicht aushielt. Daraufhin schlug sie mir die Badewanne vor. Dort ging es dann plötzlich sehr schnell. Das Köpfchen kam, ich konnte es fühlen und dann war das Baby ganz da und lag in der Badewanne auf meiner Brust und Bauch. Das war dann kurz vor 10 Uhr morgens. Nach ein paar Minuten später schaute Steffen nach – ein Junge (was wir bis dahin nicht wussten).  Steffen und die Hebammen halfen mir ins Bett. Dort hatten wir sehr viel Zeit für uns. Unser Sohn lag an meiner Brust und begann zu saugen. Die Nachgeburt erlebte ich viel bewusster als bei der ersten Geburt, aber auch diese verlief sehr gut. Später trennte mein Mann gemeinsam mit meiner Tochter die Nabelschnur durch.

Es war ein sehr schönes Geburtserlebnis für mich. Ich fühlte mich sehr gut durch die Hebammen betreut und bin dankbar für ihre einfühlsame und kompetente Begleitung. Auch Details, wie ein persönlicher Gruß der Hebammen im gelben U-Heft an unseren frisch geborenen Sohn gerichtet, haben mir viel bedeutet.

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